23.10.2014:

Reifungskrisen

Reifungskrisen: Wenn unsere Kinder am Leben verzweifeln

Essstörungen, Alkohol oder Drogenkonsum – Haben Sie Angst, dass auch Ihr Kind betroffen ist?
Ihr Kind hat seelische Probleme und Sie wissen nicht, wie Sie ihm helfen können?
Sie haben schon über fremde Hilfe nachgedacht, doch wissen nicht, welche Behandlung sinnvoll ist?


Erwachsenwerden ist nicht leicht.

Etwa jeder fünfte Jugendliche hat mit psychischen Störungen zu kämpfen – das hat eine Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert-Koch-Institutes (RKI) ergeben.

Depressionen, Aggressionen, Essstörungen, Ängste, Selbstverletzungen, Drogenmissbrauch und andere Süchte können Zeichen dieser Identitätskrise sein.

Eltern sind häufig überfordert.

Was können Heranwachsende tun, die zunehmendem Druck und wachsenden Anforderungen nicht gewachsen sind? Schließlich gilt es nicht nur in Schule, Lehre oder Studium einen eigenständigen Arbeitsstil zu erlernen, sondern auch persönliche Werte und soziale Kompetenzen aufzubauen.

Während dieser Prozesse, die von Ängsten, Panik und Hilflosigkeit gekennzeichnet sind, fühlen sich die Jugendlichen oft in ihrer gesamten Identität und Kompetenz bedroht.

Die entscheidenden Fragen sind:

Wie können die jungen Menschen neue Perspektiven entwickeln?
Welche Hilfestellungen können ihnen dabei Angehörige geben?
An wen können sie sich wenden, wenn sie allein keinen Ausweg finden?
Erfolgreiche Therapien sind durchaus möglich.
Für wen ist welche Behandlung sinnvoll?
Wann ist ein stationärer Klinikaufenthalt ratsam?
Wie sehen individuelle Behandlungskonzepte aus?

Chat-Protokoll

Moderator:
Herzlich Willkommen! Wir freuen uns, Sie zum Chat "Reifungskrisen" begrüßen zu dürfen. Das Heranwachsen bringt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene viele Unsicherheiten mit sich. Depressionen, Aggressionen, Essstörungen, Ängste, Selbstverletzungen, Drogenmissbrauch und andere Süchte können die Folgen einer solchen Identitätskrise sein. Die seelischen Probleme werfen bei den Betroffenen und ihren Eltern eine Fülle von Fragen auf. Doch unsere Experten sitzen nun für Sie bereit, um Ihnen Rede und Antwort zu stehen.

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von READNOVA:
Meine Tochter Sara hat in den letzten Monate stark abgenommen. Ist das bereits ein Anzeichen für eine Magersucht?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Gewichtsabnahme allein bedeutet noch nicht Magersucht. Ob Untergewicht vorliegt, kann der Haus- oder Kinderarzt beurteilen unter Berücksichtigung von Größe und Alter. Alarmsignale sind vorhanden, wenn trotz ... [mehr]Gewichtsabnahme allein bedeutet noch nicht Magersucht. Ob Untergewicht vorliegt, kann der Haus- oder Kinderarzt beurteilen unter Berücksichtigung von Größe und Alter. Alarmsignale sind vorhanden, wenn trotz Untergewicht immer weiter aktiv eine Gewichtsreduktion betrieben wird, mit Diät, extremem Sport, evtl. sogar Erbrechen. Wenn das Körperbild ganz unrealistisch weiterhin als zu dick wahrgenommen wird. Wenn die Gedanken sehr auf die Themen Essen, Kalorien, Gewicht eingeengt sind. Wenn die Periode ausbleibt, gemeinsame Mahlzeiten vermieden werden und das Essverhalten sehr auffällt durch ängstliche Angespanntheit, Umständlichkeit und Langsamkeit. Diese Signale sollte man zunächst mit dem Haus- oder Kinderarzt erörtern und Ihre Tochter möglichst schnell einer ambulanten Psychotherapie zuführen. Falls sie wegen tatsächlichen Übergewichts abnehmen will, würde ich ebenso einen Arzt mit einbeziehen oder eine Ernährungsberatung, um den Verlauf zu steuern und das Maß nicht zu verlieren. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von PRIMROSE:
Mein 16-jähriger Sohn, früher ein aufgewecktes, fröhliches Kind, zieht sich immer mehr zurück. Er redet kaum noch mit uns und auch sonst verhält er sich sehr seltsam. Beim Durchsuchen seines Zimmers nach Antworten habe ich ein Tütchen mit Pillen gefunden. Ich bin total geschockt... Wie soll ich mit dieser Situation jetzt am besten umgehen?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Sprechen Sie es an, konfrontieren Sie ihn damit. Sinnvoll ist ein Termin in der Drogenberatungsstelle. Ggf. sollte auch ein Besuch beim Kinder- und Jugendpsychiater darauf folgen.

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von VICKY:
Ein Arzt hat mich mit meiner Tochter an einen Psychologen überwiesen. Dieser behandelt permanente Angstzustände bei uns beiden. Es hat sich bei mir gebessert. Meiner Tochter geht es jedoch zunehmend schlechter. Gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Ich weiß nicht, wie alt Ihre Tochter ist. Aber aus meiner Sicht würde es Sinn machen, wenn Ihre Tochter einen eigenen Therapeuten hätte, der auf Kinder ... [mehr]Ich weiß nicht, wie alt Ihre Tochter ist. Aber aus meiner Sicht würde es Sinn machen, wenn Ihre Tochter einen eigenen Therapeuten hätte, der auf Kinder und Jugendliche spezialisiert ist. Zudem sollte er in einer bestimmten Therapierichtung, der Verhaltenstherapie, ausgebildet sein, weil Studien gezeigt haben, dass dieses Verfahren bei Angststörungen am hilfreichsten ist. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von KITCAT:
Was soll ich tun, wenn ich bei meinem Patenkind zunehmend merkwürdige Verhaltensweisen feststelle? Ich habe mit meiner Schwester bereits gesprochen, diese möchte das Ganze jedoch nicht wahr haben...

Antwort von Wolfgang Deimel:
Ohne das Alter des Kindes zu kennen und genauer zu wissen, um welche Verhaltensweisen es geht, ist das sehr schwer einschätzbar. Da Ihre Schwester aber offenbar kein ... [mehr]Ohne das Alter des Kindes zu kennen und genauer zu wissen, um welche Verhaltensweisen es geht, ist das sehr schwer einschätzbar. Da Ihre Schwester aber offenbar kein Problem sieht, werden Sie durch Druck vermutlich nichts in Ihrem Sinne erreichen. Vielleicht nehmen Sie auch andere Dinge wahr als Ihre Schwester. Haben Sie ihr gegenüber einmal konkret benannt, was Ihnen merkwürdig vorkommt? Gibt es weitere Personen, denen das Verhalten auffällt, z.B. Kindergarten / Schule, Familienangehörige, Kinderarzt? Wenn Sie nicht die Einzige sind, die Handlungsbedarf sieht, können Sie einmal gemeinsam an Ihre Schwester heran treten und Ihre Sorge ausdrücken. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von ICH*BIN_ICH:
Für meine Tochter scheint aktuell alles ausweglos zu sein. Wie kann ich ihr wieder Freude am Leben vermitteln und sie aus sich herauslocken?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Wenn die Stimmung meist gedrückt ist, sie ihre Interessen aufgibt, sich zurück zieht, alles hoffnungslos sieht, könnte sich eine Depression entwickeln. Unterstützen Sie Ihre Tochter, dies ... [mehr]Wenn die Stimmung meist gedrückt ist, sie ihre Interessen aufgibt, sich zurück zieht, alles hoffnungslos sieht, könnte sich eine Depression entwickeln. Unterstützen Sie Ihre Tochter, dies professionell durch einen Psychologen/(Jugend-)Psychiater diagnostisch prüfen und dann ggf. behandeln zu lassen. Handeln Sie zügig, um eine Verschlimmerung zu vermeiden. Mit einem Therapeuten kann Ihre Tochter an den zu Grunde liegenden Faktoren arbeiten (z.B. Hilflosigkeit durch die Herausforderungen des Heranwachsens, Selbstunsicherheit, schulisch-berufliche Belastungen, Sorgen im Umgang mit Gleichaltrigen). Sie können sie unterstützen, indem sie ihr Ihre Unterstützung und ein offenes Ohr anbieten, ihr Wertschätzung und bedingungslose Zuneigung signalisieren. Drängen Sie sie nicht zu intensiv mit gut gemeinten Angeboten angenehmer Aktivitäten, vielleicht ist sie momentan damit überfordert. Informieren Sie sich konkret beim Therapeuten Ihrer Tochter, ob und wie Sie zur Therapie beitragen können. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von LIA:
Warum wird man vom Ritzen süchtig? Und wie kommt man davon wieder los?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Viele Betroffene berichten, dass sie durch das Ritzen einen deutlichen Abbau innerer Anspannung erleben. Ziel der Therapie kann es sein, alternative Strategien zu entwickeln, die ebenfalls ... [mehr]Viele Betroffene berichten, dass sie durch das Ritzen einen deutlichen Abbau innerer Anspannung erleben. Ziel der Therapie kann es sein, alternative Strategien zu entwickeln, die ebenfalls zu einem Spannungs-Abbau führen, aber eben ohne Selbstverletzung. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von JULIA :
Meine Tochter, jetzt 22 Jahre alt, war ein Frühchen und ist mit der ganzen Entwicklung spät dran. Seit 1 Jahr stresst sie uns in allen Bereichen (isst nicht, verweigert jedes Gespräch ....) Man könnte meinen, sie käme jetzt erst in die Pubertät. Kann so was sein - was sollen wir tun?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Manche Kinder sind in der Entwicklung tatsächlich etwas verspätet. Andererseits sollte man auch daran denken, dass Appetitverlust und vermehrte Reizbarkeit im Kontakt Zeichen einer depressiven Entwicklung ... [mehr]Manche Kinder sind in der Entwicklung tatsächlich etwas verspätet. Andererseits sollte man auch daran denken, dass Appetitverlust und vermehrte Reizbarkeit im Kontakt Zeichen einer depressiven Entwicklung sein können. Gerade in Lebensphasen, in welchen wichtige Entwicklungsschritte genommen werden müssen (z.b. Verselbständigung oder Einstieg ins Berufsleben) können belastend sein und auch zu Überforderung führen. Ich würde mich fragen: Gibt es einen offensichtlichen Grund für die Verhaltensänderung? Ist der Alltag eingeschränkt? Dann wäre zu klären, ob das Problem allein zu lösen ist, oder ob man z.B. bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten um Rat fragt. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von JUTTLCHEN:
Ab welcher Zeitspanne gelten Jugendliche als geheilt, wenn sie an Essstörungen gelitten haben? Eine Therapie fand in unserem Fall bereits statt und gilt aktuell als geheilt.

Antwort von Wolfgang Deimel:
Die deutschen Begriffe der betreffenden Diagnosen enthalten alle das Wort "Sucht": Magersucht, Ess-Brech-Sucht etc. In diesem Sinne geht das meist nie ganz weg und in Zeiten ... [mehr]Die deutschen Begriffe der betreffenden Diagnosen enthalten alle das Wort "Sucht": Magersucht, Ess-Brech-Sucht etc. In diesem Sinne geht das meist nie ganz weg und in Zeiten hoher Belastungen besteht die Gefahr, dass die Störung wieder kommt. Hier ist es dann wichtig, dass die Betroffenen in der Therapie gelernt haben, wie sie sich selbst helfen können und, ganz wichtig, wann sie wieder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten. Das muss ja nicht gleich wieder eine komplette Psychotherapie sein, vielleicht tun es auch ein paar Beratungsgespräche. Für die Familie können 'klare', am besten schriftlich formulierte Abmachungen hilfreich sein, ab wann (z.B. bei Unterschreitung eines bestimmten Gewichts) wieder eine Behandlung aufgenommen wird. Also: die Tendenz, mit den bekannten Symptomen auf Belastungen zu reagieren, bleibt meist langfristig erhalten. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von LILA :
Mein Patenkind Lea, 15 Jahre alt, hat starkes Übergewicht. Sie isst total unkontrolliert und die Eltern kümmert es nicht. Jetzt merkt die jugendliche Lea, dass sie gerne abnehmen würde. Ich würde das Kind gerne unterstützen. Was raten Sie mir?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Ich würde Ihnen raten, gemeinsam mit Lea eine professionelle Ernährungsberatung aufzusuchen. Dort bekommen Sie Unterstützung in Bezug auf eine gesunde Ernährungsumstellung bei gleichzeitiger Steigerung sportlicher Betätigung.

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von EZIO:
Mein bester Kumpel ist die letzte Zeit total down. Er sagt, er hätte keinen Bock mehr, es wäre sowieso alles shit, es wär besser wenn es ein Ende hätte... Das macht mir total Angst. Seine Eltern lassen sich gerade scheiden, kann das ein Grund für seine depressive Stimmung sein? Ich würde ihm gern helfen, weiß aber nicht wie...

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Zeigen Sie ihm, dass Sie sich Sorgen um ihn machen. Spiegeln Sie ihm aber auch Ihre Grenzen: Für lebensmüde Gedanken können Sie keine Verantwortung übernehmen und ... [mehr]Zeigen Sie ihm, dass Sie sich Sorgen um ihn machen. Spiegeln Sie ihm aber auch Ihre Grenzen: Für lebensmüde Gedanken können Sie keine Verantwortung übernehmen und diese können Sie als Laie auch nicht mit ihm lösen. Vielleicht will er seine Eltern in der Trennungsphase nicht zusätzlich belasten. Aber auch in schwierigen Zeiten hat er ein Anrecht darauf, in der Familie mit seinen Bedürfnissen gehört zu werden. Raten Sie ihm, sollte er minderjährig sein, sich unbedingt an Vater oder Mutter zu wenden und mitzuteilen, dass es ihm nicht gut geht. Die Beantwortung der Frage, was nun genau dahinter steckt und wie man ihm helfen könnte, sollte unbedingt ein Psychotherapeut / Psychologe oder (Jugend-)Psychiater übernehmen. Sie könnten mit ihm Adressen googeln und einen Termin vereinbaren. Falls ihm alles über den Kopf wächst und der Alltag nicht mehr klappt, kann auch der Abstand in einem stationären Behandlungsrahmen sinnvoll sein. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von BARBARELLE:
Seit sie in der Pubertät ist, macht meine Enkelin einen bedrückten Eindruck. Nun habe ich in ihrem Zimmer Rasierklingen gesehen. Als ich sie fragte, ob sie sich ritzt, wich sie mir aus. Wie soll das weiter gehen?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Falls das Sorgerecht nicht bei Ihnen liegt, wäre es vermutlich sinnvoll, die Eltern einzuschalten, damit diese ein Gespräch mit Ihrer Enkelin führen können. Darin können sie ... [mehr]Falls das Sorgerecht nicht bei Ihnen liegt, wäre es vermutlich sinnvoll, die Eltern einzuschalten, damit diese ein Gespräch mit Ihrer Enkelin führen können. Darin können sie ihre Sorge mitteilen und gemeinsam mit Ihrer Enkelin überlegen, ob diese Hilfe benötigt. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von SOMMERWIND:
Wir wissen mit unserer Tochter nicht mehr weiter. Sie wird immer dünner und dünner. Sie sitzt zwar gemeinsam mit uns am Esstisch und isst auch mit, aber kurz nach dem Essen geht sie aufs Klo und erbricht alles wieder, selbst ihr sonstiges Lieblingsessen Lasagne (sie denkt wohl, wir bekommen das nicht mit). Reden bringt nichts, einen Arztbesuch verweigert sie, was können wir noch tun um ihr zu helfen?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Es ist wahrscheinlich dass Ihre Tochter an Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brechsucht) leidet. Sie sollte unbedingt zu einem Arzt gehen, weil das sehr ernsthafte und potentiell ... [mehr]Es ist wahrscheinlich dass Ihre Tochter an Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brechsucht) leidet. Sie sollte unbedingt zu einem Arzt gehen, weil das sehr ernsthafte und potentiell gefährliche Erkrankungen sind. Wenn Sie noch nicht 18 ist, wäre ein Kinder- und Jugendpsychiater die richtige Anlaufstelle. Ansonsten ein Psychiater. Wirken Sie auf sie ein, bis sie Hilfe annimmt. Wenn sie erwachsen sein sollte, ist die Sache schwieriger, weil sie sie letztlich nicht zwingen können, Hilfe anzunehmen. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von SOUL:
Meine Tochter kommt mit ihrem selbstständigen Leben nicht zurecht. Sie fühlt sich von der Uni überfordert und bekommt auch privat wenig auf die Reihe. Nach einem Nervenzusammenbruch war sie nun für vier Wochen stationär in einer Klinik. Wie es aussieht, hat ihr der Aufenthalt gut getan. Erzählt hat sie mir nur wenig. Doch wie geht es nun weiter? Ich möchte sicher sein, dass sie auch weiterhin betreut wird und ihr Leben in den Griff bekommt.

Antwort von Wolfgang Deimel:
Vier Wochen sind für eine stationäre Behandlung sehr kurz, aber sicher haben die Kollegen Strategien und Empfehlungen für die nachstationäre Zeit erarbeitet; es gibt vermutlich einen ... [mehr]Vier Wochen sind für eine stationäre Behandlung sehr kurz, aber sicher haben die Kollegen Strategien und Empfehlungen für die nachstationäre Zeit erarbeitet; es gibt vermutlich einen Abschlussbericht, in dem diese Dinge stehen. "Betreuungsmöglichkeiten" ist eine gute Zusammenfassung, es gibt davon aber sehr viele verschiedene. Oft hat ein ambulanter Psychotherapeut, der die nachstationäre Therapie übernimmt, auch die Rolle des Fallmanagers. In der Hemera-Klinik wird intensiv am Übergang in die nachstationäre Zeit gearbeitet, damit der in der Klinik erarbeitete Therapieerfolg sich im Leben außerhalb der Klinik fortsetzen kann. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von *_KATHRINIS_*:
Ein Arzt hat meiner Tochter Panikstörungen diagnostiziert. Dies ging so weit, dass er mir empfohlen hat eine Klinik aufzusuchen. Ist das wirklich dringend zu empfehlen? Oder kann auch die Familie ihr darüber hinweghelfen?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Ich empfehle dringend professionelle Behandlung, zumal die Verhaltenstherapie sehr wirksame Methoden bietet. Bei schwerwiegender Panikstörung steht die Bewältigung des Alltags in Gefahr. Bei Nichtbehandlung oder scheiternden ... [mehr]Ich empfehle dringend professionelle Behandlung, zumal die Verhaltenstherapie sehr wirksame Methoden bietet. Bei schwerwiegender Panikstörung steht die Bewältigung des Alltags in Gefahr. Bei Nichtbehandlung oder scheiternden Selbstbehandlungsversuchen verstärken sich die Ängste und können sich ausweiten bis hin zum völligen Rückzug, da das Haus nicht mehr verlassen werden kann. Stationär kann man konkret an den auftretenden Panikattacken arbeiten, verhaltenstherapeutisch über gestufte Angstkonfrontation die Überwertigkeit dieser Ängste reduzieren und die Alltagsfähigkeit wieder herstellen. Zudem kann an anderen Angst aufrecht erhaltenden Faktoren gearbeitet werden (soziale Unsicherheit, mangelnder Selbstwert, eingeschränkte Problemlöse- und Konfliktmanagementfähigkeiten, Krisen aufgrund der Herausforderungen im Heranwachsendenalter usw.). Ein stationärer Aufenthalt kann aufgrund der Ganzheitlichkeit und Kompaktheit sowie Intensität der Maßnahmen oft rascher zum Ziel führen. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von CATTINGKA:
Meine Frau und ich leben unserem Sohn ein geordnetes Leben vor. Trotzdem erzählt er uns nach jedem Wochenende von seinem Drogenkonsum. Über fehlende Aufmerksamkeit kann er sich daher nicht beschweren. Wie kann ich ihm helfen bzw. dagegen vorgehen?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Ich würde Ihnen empfehlen, gemeinsam mit Ihrem Sohn eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Dort können Ihnen Experten helfen, das Ausmaß des Drogenkonsums Ihres Sohnes einzuschätzen und Sie beide ... [mehr]Ich würde Ihnen empfehlen, gemeinsam mit Ihrem Sohn eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Dort können Ihnen Experten helfen, das Ausmaß des Drogenkonsums Ihres Sohnes einzuschätzen und Sie beide beraten. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von KASPER:
Übergewicht ist in der Familie meiner Freundin ein großes Problem. Sie möchte auf keinen Fall so dick werden, wie ihre Oma und ihre Mutter. Deshalb überlegt sie sich jeden Bissen zweimal und steckt sich auch schon mal den Finger in den Hals. Sie weiß, dass das nicht gesund ist, aber es gefällt ihr, so schlank zu sein... Wie kann ich ihr helfen? Eine Ernährungsberatung hat nichts gebracht.

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Ich vermute, dass Ihre Freundin recht gut Bescheid weiss über Ernährung, so dass eine Beratung nicht das Richtige ist. Bei Auffälligkeiten im Essverhalten ist immer zu ... [mehr]Ich vermute, dass Ihre Freundin recht gut Bescheid weiss über Ernährung, so dass eine Beratung nicht das Richtige ist. Bei Auffälligkeiten im Essverhalten ist immer zu klären, ob es noch im Bereich des Normalen ist oder bereits Krankheitswert hat. Zunächst erscheint die Sorge vor Übergewicht bei Ihrer Freundin ja durchaus nachvollziehbar, weil die Familie damit belastet ist. Dass es zum Erbrechen kommt ist eher bedenklich. Dennoch heisst es nicht automatisch, dass eine Krankheit dahinter stecken muss. Schlank sein zu wollen ist auch zunächst in Ordnung, problematisch ist es, wenn es ins Untergewicht geht. Wenn also der Wunsch dünn zu sein dazu führt, dass Gewicht verloren geht oder es wiederholt zum Erbrechen kommt und der Alltag einschränkt ist, dann sollte mach sich therapeutische Hilfe holen. Ein (Kinder- und Jugend-)Psychiater oder Psychotherapeut kann hier weiterhelfen. [weniger]

Moderator:
Liebe Leser, wir freuen uns über Ihre rege Teilnahme und bemühen uns sehr, Ihnen die gewünschten Antworten zu geben. Sollte Ihre Frage bislang noch nicht berücksichtigt worden sein, bitten wir noch um ein wenig Geduld. Achten Sie zudem darauf, dass auch Antworten auf Fragen Dritter für Sie interessante Informationen enthalten können.

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von REALULI:
Was genau kommt auf meine Tochter zu, wenn ich sie in eine Klinik gebe, um ihre Selbstverletzung einzudämmen. Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Man arbeitet verhaltenstherapeutisch an zu Grunde liegenden negativen Überzeugungen und Gedankenverknüpfungen, die den Selbstwert vermindern, am Schwarz-Weiß-Denken, am dysfunktionalem Umgang mit Emotionen, wodurch ein Filtern der ... [mehr]Man arbeitet verhaltenstherapeutisch an zu Grunde liegenden negativen Überzeugungen und Gedankenverknüpfungen, die den Selbstwert vermindern, am Schwarz-Weiß-Denken, am dysfunktionalem Umgang mit Emotionen, wodurch ein Filtern der Reaktionen oft nicht angemessen möglich ist. Die Impulskontrolle wird trainiert, Problemlösefertigkeiten und Strategien zum Konfliktmanagement vermittelt. Die oft wechselhafte und labile Beziehungsgestaltung zu Anderen wird beleuchtet und eine bessere Selbst- und Fremdeinschätzung, die oft Ursache für Unsicherheiten im sozialen Umgang sind, gefördert. Es werden Fähigkeiten eingeübt, die an Stelle des selbstschädigenden Verhaltens zum Spannungsabbau eingesetzt werden können. Stationär kann ganzheitlich auf Faktoren aus Umfeld, Familie, Schule/Arbeitsplatz, sozialer Kompetenz eingegangen werden. Über einen therapeutischen Vertrag wird das selbstverletzende Verhalten reglementiert und zur Familienentlastung in neutrale professionelle Hände ausgelagert. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von REGINA:
Ich habe Probleme mit meinem 11jährigen Sohn. Schon seit frühester Kindheit ist er sehr um unsere Aufmerksamkeit bemüht. Ängste vor Gefahren kennt er nicht. In letzter Zeit sind seine Wutausbrüche immer unberechenbarer. Von jetzt auf gleich wird sein Schalter von "Normalbetrieb" auf "aggressiv" umgelegt. Dann ist er nicht mehr handelbar, schlägt auf alles und jeden ein (vor allem auf seinen 8jährigen Bruder). So schnell wie es begann, ist es vorbei und er fühlt sich schlecht. Ich selbst habe Depressionen. Meiner Meinung nach schon seit meiner Kindheit. Ich habe Angst, dass mein Sohn die gleichen Probleme hat und am Leben verzweifelt.

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
In erster Linie scheint es so zu sein, dass Ihr Sohn sehr impulsiv ist. Natürlich kann das auch mit einer negativen Stimmung einhergehen, es kann aber ... [mehr]In erster Linie scheint es so zu sein, dass Ihr Sohn sehr impulsiv ist. Natürlich kann das auch mit einer negativen Stimmung einhergehen, es kann aber auch auf andere Störungsbilder wie zum Beispiel eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder eine Störung mit oppositionellem Trotzverhalten hindeuten. Um das gewissenhaft abklären zu lassen, würde ich mit ihm einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen. Dieser wird eine ausführliche Diagnostik machen und Sie dann im Anschluss entsprechend beraten. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von UTA:
Meine Tochter, 25 Jahre alt, isst so gut wie nichts mehr. Ich weiß nicht, was sie wiegt - aber sie ist super super abgemagert, verweigert jedes Gespräch mit uns und lehnt Arzt-Besuche kategorisch ab. Was sollen wir tun?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Wenn es sich um Magersucht handelt, was diagnostisch abzuklären ist, dann gehört die fehlende Krankheitseinsicht zum Störungsbild. Der Begriff "Sucht" ist hier auch durchaus zutreffend. Anorexie ... [mehr]Wenn es sich um Magersucht handelt, was diagnostisch abzuklären ist, dann gehört die fehlende Krankheitseinsicht zum Störungsbild. Der Begriff "Sucht" ist hier auch durchaus zutreffend. Anorexie ist eines der Krankheitsbilder mit der höchsten Sterberate und kann sehr ernste gesundheitliche Schäden verursachen. Solange Ihre Tochter jedoch nicht in einem lebensgefährdenden Zustand ist, gibt es keine Handhabe, gegen ihren Willen etwas zu unternehmen. Sie können daher nur versuchen, mit liebevoller Hartnäckigkeit auf sie einzuwirken und auch weitere Personen aus dem sozialen Netz (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) in diese Bemühungen einzubeziehen. Patienten mit Anorexie sind oft sozial sehr angepasst und daher möglicherweise durchaus durch vereinte Bemühungen zu beeindrucken. Der erste zu erreichende Schritt ist eine fachliche Diagnostik, die durch einen Psychotherapeuten, Psychiater oder die Ambulanz eines Fachkrankenhauses erfolgen kann. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von LEVENTIS:
Gibt es zur Bekämpfung von Magersucht unterschiedliche Kliniken, die unterschiedliche Therapiemöglichkeiten anwenden, um dasselbe zu bekämpfen? Und falls ja: Können Sie eine Empfehlung für mich aussprechen?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Die Leitlinien aller Fachgesellschaften sowie die wissenschaftliche Studienlage stimmen überein, dass die Behandlung des Essverhaltens, der Körperfehleinschätzung und der gedanklichen Einengung am wirkungsvollsten über Verhaltenstherapie ... [mehr]Die Leitlinien aller Fachgesellschaften sowie die wissenschaftliche Studienlage stimmen überein, dass die Behandlung des Essverhaltens, der Körperfehleinschätzung und der gedanklichen Einengung am wirkungsvollsten über Verhaltenstherapie gelingt. Hierbei werden Verstärkerpläne eingesetzt zum Anreiz für die Gewichtszunahme. Das Essen wird zunächst vorportioniert und geht im Verlauf immer mehr in die Eigenverantwortung über. In der individuellen Psychotherapie wird an ursächlichen Faktoren gearbeitet. Die Konzepte der Kliniken sind in der Umsetzung unterschiedlich. Manche sind stark begrenzend und verbieten z.B. Sport. In der Hemera-Klinik z.B. beziehen wir Sport zur Körperformung unter der Gewichtszunahme bewusst ein. Wir arbeiten ganzheitlich mit Heranwachsenden, berücksichtigen familiäre Themen, Schul-/Berufsplanung, soziale Kompetenzen, unterstützen die Persönlichkeitsentwicklung. Vereinbaren Sie Vorstellungstermine in den Kliniken. Ihr Vertrauen in das Konzept ist entscheidend. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von CATXOXO:
Ich bin 14 und mir geht es oft total schlecht. Ich weiß nicht, ob es an der Pubertät liegt oder ich Depressionen hab. Meine Eltern haben mich auch schon darauf angesprochen, aber das auf die Pubertät geschoben. Soll ich zum Arzt gehen?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Wenn man belastet ist und sich über längere Zeit nicht gut fühlt, wenig Antrieb hat und die Stimmung schlecht ist, macht es Sinn zu klären, ob ... [mehr]Wenn man belastet ist und sich über längere Zeit nicht gut fühlt, wenig Antrieb hat und die Stimmung schlecht ist, macht es Sinn zu klären, ob Hilfe von aussen notwendig ist. Viele Jugendliche fühlen sich von den Eltern und der Umwelt unverstanden und kommen in eine Sinnkrise. Oft ist es normal und muss nicht behandelt werden. Manchmal wird es aber zur Krankheit. Sprich erneut offen mit Deinen Eltern und beratet darüber, wo und wie du Hilfe bekommen kannst. Oft ist der erste Weg, mit dem Hausarzt oder Kinderarzt darüber zu sprechen. Wenn Du diese Probleme auch in der Schule hast, kannst Du auch nachfragen, wer der zuständige Schulpsychologe ist und einen Termin vereinbaren. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von BLAUMARIN:
Unsere Tochter war zwei Jahre alt, als ich mich von meinem Mann getrennt habe. Klar, wir haben gestritten ohne Ende und es wurde auch oft laut. Schlimm ist nur, unsere Tochter spricht seither nur noch mit mir und ihrer Schwester. Der betreuende Psychologe sagt, wir brauchen Geduld, aber ich habe bald keine Geduld mehr.

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Möglicherweise leidet Ihre Tochter unter einem Störungsbild, das man "selektiver Mutismus" nennt. Dabei sind die Kinder grundsätzlich in der Lage zu sprechen, tun dies aber nur ... [mehr]Möglicherweise leidet Ihre Tochter unter einem Störungsbild, das man "selektiver Mutismus" nennt. Dabei sind die Kinder grundsätzlich in der Lage zu sprechen, tun dies aber nur mit ausgewählten Personen in bestimmten, sicheren Situationen. Weiterhin sind sie oft schüchtern gegenüber Fremden. Die Ursache für diese Störung hat vermutlich wenig mit Ihrer Trennung zu tun, weshalb Sie sich diesbezüglich keine Vorwürfe machen sollten. Ich weiß nicht, in welchem Rahmen Sie von einem Psychologen betreut werden, aber aus meiner Sicht wäre es wichtig, dass Ihre Tochter eine professionelle Therapie bei einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erhält. Möglicherweise begleitet von einer Logopädie bei einer auf dieses Störungsbild spezialisierten Logopädin. Und ich muss dem betreuenden Psychologen Recht geben: Es braucht viel Geduld, um eine Verbesserung der Symptomatik zu erzielen. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von 123:
Seit mein Mann und ich uns getrennt haben, bekomme ich meine Tochter nur noch zu den gemeinsamen Mahlzeiten am Abend zu Gesicht. Sie verbarrikadiert sich in ihrem Zimmer und sitzt nach der Schule nur noch vor dem Laptop. Sport oder Bewegung? Fehlanzeige. Dafür gibt sie ihr gesamtes Taschengeld für Süßigkeiten aus, die sie hinter ihrem Bett bunkert. Man kann förmlich zusehen, wie sie immer dicker wird. Ist das normal? Nur eine Übergangsphase? Oder muss ich aktiv werden?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Die Verarbeitung der Trennung ist eine Herausforderung. Ihre Tochter muss ihren Platz neu finden, vermisst vielleicht den Vater, fühlt sich zerrissen und kann sich deshalb nicht ... [mehr]Die Verarbeitung der Trennung ist eine Herausforderung. Ihre Tochter muss ihren Platz neu finden, vermisst vielleicht den Vater, fühlt sich zerrissen und kann sich deshalb nicht mitteilen. Sie beschreiben Interessenverlust, vermutlich Frustessen und Rückzug, was depressive Anzeichen sein können. Zeigen Sie ihr, dass Sie die Veränderungen wahrnehmen und sich Sorgen machen. Bieten Sie ihr das Gespräch an, aber drängen Sie nicht. Bitten Sie auch den Vater um Unterstützung. Zeigen Sie als Eltern, dass Sie beide für sie da sind. Können Sie eine neutrale Person wie z.B. den Hausarzt einbeziehen? Er könnte sachlich einzeln mit Ihrer Tochter sprechen. Es wird darum gehen, mit ihr in Austausch zu kommen, um zu prüfen, ob und welche Belastungsfaktoren vorhanden sind. Ist die Elterntrennung zentraler Faktor, wäre eine Familienberatungsstelle hilfreich, um die neue Situation zu bewältigen. Auch die Vorstellung z.B. bei einem Psychotherapeuten, der familiensystemisch arbeitet, könnte weiterhelfen. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von HANSI-KLAUS:
Meine Tochter ist 13 und hat ständig Angst an Krebs zu erkranken. Sie kann oft deshalb nicht schlafen und wacht schweißgebadet auf. Ist dieser Zustand eine Phase oder sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Das klingt, als würde sich eine Angststörung entwickeln oder bereits entwickelt haben. Ihr Kinder- oder Hausarzt kann Sie an eine jugendpsychiatrische Institutsambulanz überweisen oder Sie können ... [mehr]Das klingt, als würde sich eine Angststörung entwickeln oder bereits entwickelt haben. Ihr Kinder- oder Hausarzt kann Sie an eine jugendpsychiatrische Institutsambulanz überweisen oder Sie können selbstständig zu einer Beratungsstelle gehen. Hier wird dann geklärt, ob eine Indikation zur psychotherapeutischen Behandlung vorliegt und welche Form (ambulant, stationär) geeignet ist. Im Falle einer Angststörung ist es wichtig, möglichst schnell in Behandlung zu kommen, denn eine Angststörung wird man um so schlechter wieder los, je länger sie bereits besteht. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von WERDLICH:
Unsere Tochter, 14 Jahre alt ist Schulverweigerin. Jeden Morgen müssen mein Mann oder ich sie mit Gewalt in die Schule schleppen, sie weint und schreit. Wir überlegen, ob ein Internat in Frage kommen könnte...

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Wichtig ist es aus meiner Sicht zu verstehen, warum ihre Tochter nicht in die Schule gehen möchte. Typische Gründe können sein, das die Kinder vor einer ... [mehr]Wichtig ist es aus meiner Sicht zu verstehen, warum ihre Tochter nicht in die Schule gehen möchte. Typische Gründe können sein, das die Kinder vor einer bestimmten Situation in der Schule Angst haben (Prüfungen, Referat, Pausensituation, Mobbing, Schulweg, etc. ). Andere Kinder haben eine sog. Trennungsangst und sorgen sich in irrationaler Weise, dass anderen in der Familie etwas zustossen könnte. Wieder andere Kinder fühlen sich überfordert aufgrund bestimmter Defizite (Konzentrationsprobleme, Legasthenie etc). Ich würde dringend zu einer Vorstellung bei Kinder- und Jugendpsychiater raten. Völlig richtig ist es, trotz allem den Schulbesuch aufrecht zu erhalten. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von SCHLUBSI:
Ich habe Zwillingstöchter, die dieses Jahr 18 Jahre alt gewórden sind. Die Zweitgeborene hat seit einiger Zeit Panikattacken. Ich selber war noch nie bei einer dabei. Sie kommen immer nachts und oft wenn sie bei ihrem Vater ist. Hier bei uns gab es das aber auch schon. Nun ist meine Frage, ob es Sinn macht, wenn sie sich um eine Verhaltenstherpie bemüht oder gibt es irgendwelche erlernbare Mechanismen, die sie alleine (oder auch mit meiner Hilfe) erlernen kann?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Ihre Intuition ist genau richtig: Wenn Ihre Tochter wiederholt unter Panikattacken leidet, sollten Sie mit Ihr einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Allein wird sie das kaum bewältigen können. ... [mehr]Ihre Intuition ist genau richtig: Wenn Ihre Tochter wiederholt unter Panikattacken leidet, sollten Sie mit Ihr einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Allein wird sie das kaum bewältigen können. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von BERNADETTE:
Besteht die Möglichkeit einen Probeaufenthalt in einer Klinik zu bekommen, wo ich auch dabei sein kann? Ich möchte dass es meinem Kind dort gut geht und vorher die Zustände begutachten.

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Sein Kind in eine stationäre Behandlung zu geben ist ein großer Schritt und erfordert unbedingt das Vertrauen der Eltern. Bitten Sie um einen Vorstellungstermin in der ... [mehr]Sein Kind in eine stationäre Behandlung zu geben ist ein großer Schritt und erfordert unbedingt das Vertrauen der Eltern. Bitten Sie um einen Vorstellungstermin in der Klinik Ihrer Wahl. Lassen Sie sich das Haus zeigen, die Behandlungskonzepte erklären, gewinnen sie einen persönlichen Eindruck von der Arbeitsweise der Klinik. Fragen Sie nach dem Informationsfluss zwischen Ihnen und den Behandlern (regelmäßige Elterngespräche, Telefontermine mit den Therapeuten, Besuche beim Kind). Wenn Sie sich für die Klinik entscheiden, gewähren Sie bitte der Klinik einen Vertrauensvorschuss und bestärken Sie Ihr Kind, die Behandlung dort anzugehen. Heimweh kommt oft vor, aber an Stelle eines Abbruchs suchen Sie das Gespräch mit dem Behandler, bauen Sie Ihre Ängste ab und zeigen Sie vor Ihrem Kind keine Unsicherheit in Ihrem Entschluss, sonst wird es sich nicht auf die Therapie einlassen können. Eine Mitaufnahme von Ihnen ist nur sinnvoll, wenn eine Mutter-Kind-Problematik bearbeitet werden soll. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von RATLOS:
Mein Sohn Sam, 17, ist regelmäßig mit seinen Kumpels auf Sauftour. Da ein paar Jungs schon älter sind, ist es kein Problem, an Alkohol ranzukommen. Fast jedes Wochenende kommt er sturzbesoffen heimgetorkelt, teilweise kommt er auch garnicht heim. Da einer seiner Kumpel schon mit Alkoholvergiftung in der Klink gelandet ist, mache ich mir große Sorgen. Aber versuche ich mit ihm zu sprechen wird er laut und aggressiv. Können Sie mir helfen?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Leider ist dieses Verhalten weit verbreitet, aber deswegen nicht unproblematisch. Versuchen Sie auf ihn einzuwirken, damit er sich bei der Suchtberatungsstelle vorstellt. Evtl. gibt es einen ... [mehr]Leider ist dieses Verhalten weit verbreitet, aber deswegen nicht unproblematisch. Versuchen Sie auf ihn einzuwirken, damit er sich bei der Suchtberatungsstelle vorstellt. Evtl. gibt es einen Hausarzt oder einen Lehrer oder andere Person, die auf ihn positiven Einfluss nehmen und ihn dazu bewegen kann. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von SCARLETT:
Meine beste Freundin ritzt sich seit ein paar Monaten an den Armen. Sie meint, das würde ihr helfen, sich besser zu fühlen. Ich habe Angst, das sie es irgendwann mal zu weit treibt... Ich würde ihr gerne helfen, weiß aber nicht wie?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Wer sich selbst so verletzt, dass wahrscheinlich dauerhafte Narben bleiben werden, treibt es auf jeden Fall zu weit. Da gibt es dann keine Schwelle, unterhalb der ... [mehr]Wer sich selbst so verletzt, dass wahrscheinlich dauerhafte Narben bleiben werden, treibt es auf jeden Fall zu weit. Da gibt es dann keine Schwelle, unterhalb der es harmlos ist. Selbstverletzung ist der Versuch, ein Problem mit langfristig ungeeigneten bzw. schädlichen Mitteln zu lösen. Es fehlt Ihrer Freundin also offenbar an geeigneten, gesunden Möglichkeiten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit besteht hier die Indikation zur Psychotherapie. Das Problem ist, das Betroffene das oft nicht so sehen, u.a. auch, weil sie sich auch für ihr Verhalten schämen und das Thema lieber verdrängen. Also: liebevoll hartnäckig bleiben, auch wenn es anstrengend ist. Andere Freunde / Familienmitglieder sind wahrscheinlich auch besorgt, raufen Sie sich zusammen und bleiben Sie gemeinsam dran. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von BABS70:
Unser Sohn raucht schon, seit er 14 ist. Da mein Mann und ich selbst Raucher sind, haben wir bisher ein Auge zugedrückt. Jetzt ist er fast 16 und seit neuestem kifft er auch und hat eine richtige "mir doch egal"-Einstellung bekommen. Mein Mann sieht das nicht so eng, aber ich habe Angst, dass er dadurch seine Zukunft verbaut. Reagiere ich zu empfindlich?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Ich kann gut verstehen, dass Sie sich Sorgen um Ihren Sohn machen. Sowohl ein einmaliger als auch ein regelmäßiger Konsum können zu negativen psychischen Folgen führen. ... [mehr]Ich kann gut verstehen, dass Sie sich Sorgen um Ihren Sohn machen. Sowohl ein einmaliger als auch ein regelmäßiger Konsum können zu negativen psychischen Folgen führen. Um das individuelle Risiko Ihres Sohnes besser einschätzen zu können, würde ich Ihnen empfehlen, gemeinsam mit ihm eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von A.U. :
Meine Nichte, 22 Jahre alt, ist magersüchtig. Ihre Mutter (Apothekerin) weiß dies auch und versucht natürlich mit ihr zu sprechen und sie mit Nahrungsergänzung vollzustopfen. Es gibt keinen "Zugang" zu ihr. Sie verweigert Arztbesuche! Sie ist volljährig - was können wir tun?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Signalisieren Sie ihr ohne Verurteilung oder Bewertung, dass Sie für sie da sind. Eine Befragung unter jugendlichen Anorexie-Patienten ergab, dass ihnen Folgendes hilfreich war: kein Bedrängen ... [mehr]Signalisieren Sie ihr ohne Verurteilung oder Bewertung, dass Sie für sie da sind. Eine Befragung unter jugendlichen Anorexie-Patienten ergab, dass ihnen Folgendes hilfreich war: kein Bedrängen wegen des Essens und keine gut gemeinten Behandlungsversuche durch Freunde oder Verwandte. Darauf achten, dass man nicht nur über Leistungen lobt, sondern den gesamten Menschen sieht. Wertschätzung, Offenheit. Weitergabe von Adressen, an die sich der Betroffene selbst wenden kann: Psychologen, Psychotherapeuten, Psychiater, oder zunächst einfach der Hausarzt, der dann weiter vermitteln kann. Wenn die Symptomatik sehr verfestigt ist, sollte bald möglichst stationär behandelt werden. Dort kann die Ernährung zielgerichtet begleitet werden und eine ganzheitliche Behandlung erfolgen, um die Ursachen zu klären und zu therapieren. Auch hier könnten Sie entsprechende Adressen mit ihr googeln. Bei uns in der Hemera-Klinik z.B. bieten wir unverbindliche Vorstellungstermine oder tel. Informationen an. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von KLARI2.0:
Sollte ich meine Tochter überreden können (Problem Magersucht) sich in eine Klinik zu begeben, kann ich sie dann dorthin begleiten? Und wie teuer wird das Ganze sein?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Wenn die Diagnose Anorexie (Magersucht) gestellt ist und eine ambulante Behandlung nicht ausreichend ist, ist eine stationäre Behandlung notwendig. Dann sollten Sie auch mit den niedergelassenen ... [mehr]Wenn die Diagnose Anorexie (Magersucht) gestellt ist und eine ambulante Behandlung nicht ausreichend ist, ist eine stationäre Behandlung notwendig. Dann sollten Sie auch mit den niedergelassenen Therapeuten und Ärzten gemeinsam auf Ihre Tochter einwirken, sich in einer Klinik Hilfe zu holen. Eine dauerhafte Begleitung durch die Eltern ist in der Regel nicht sinnvoll. Dennoch müssen die Eltern unbedingt in die Therapie mit einbezogen werden. Sie müssen aber wissen, dass die Therapie langwierig sein kann. Die Kosten werden in der Regel durch die Krankenkasse übernommen. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von LAURAMENURA:
Ich war mit meiner Mutter bereits bei einem Psychiater, da ich mich bis vor einem Jahr selbst verletzt habe. Aktuell gelte ich als geheilt, habe jedoch immer mal wieder das Verlangen zur Rasierklinge zu greifen. Soll ich mich wieder in Behandlung begeben?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Es könnte sehr hilfreich sein, wenn Sie bei Bedarf schnell einen Termin bekommen könnten. Es muss ja nicht gleich wieder eine Behandlung mit wöchentlichen Terminen sein. ... [mehr]Es könnte sehr hilfreich sein, wenn Sie bei Bedarf schnell einen Termin bekommen könnten. Es muss ja nicht gleich wieder eine Behandlung mit wöchentlichen Terminen sein. Sie könnten sich z.B. einen Termin bei einer kommunalen oder kirchlichen Beratungsstelle geben lassen und vereinbaren, dass Sie im Bedarfsfall dann sehr schnell, von einem Tag auf den anderen, einen Termin dort bekommen. Wichtig scheint mir zu sein, dass ein Therapeut mit Ihnen Methoden erarbeitet, wie Sie sich in Zeiten der Versuchung verhalten können. Möglicherweise kommt auch eine Selbsthilfegruppe in Frage. Es ist normal, dass Sie in Zeiten von stärkeren Belastungen wieder mit "Ihrem" Thema zu tun bekommen, das ist ein bisschen wie mit einer Sucht: es wird vielleicht nie völlig weg gehen, aber Sie können es mit professioneller Begleitung gut unter Kontrolle halten. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von MEMPHIS:
Eine Freundin hat letztens mir und 2 weiteren Freundinnen im Vertrauen erzählt, dass sie Bulimie hat. Sie hätte richtige Fressattacken und erbricht dann wieder alles. Wir sind jetzt unschlüssig, wie wir uns verhalten sollen. Sollen wir mit ihren Eltern sprechen, obwohl sie nicht will, dass diese davon erfahren? Und wie gefährlich ist Bulimie?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Bei Bulimie werden in einer Essattacke tausende Kalorien verzehrt. Dies und das Erbrechen stresst den Organismus massiv, es kann zu Verätzungen der Speiseröhre durch den Magensaft ... [mehr]Bei Bulimie werden in einer Essattacke tausende Kalorien verzehrt. Dies und das Erbrechen stresst den Organismus massiv, es kann zu Verätzungen der Speiseröhre durch den Magensaft und sogar zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Eine fachliche Behandlung ist daher unbedingt notwendig. Signalisieren Sie Ihrer Freundin, dass Sie sich sorgen um sie machen und raten Sie ihr dazu, sich ihren Eltern anzuvertrauen, denn Sie können die Verantwortung dafür nicht übernehmen. Unternehmen Sie keine "Behandlungsversuche", sagen Sie klar, dass Sie gerne für sie da sind, dieses Thema aber in professionelle Behandlung gehört. Falls Ihre Freundin das Elterngespräch weiter ablehnt, unterstützen Sie sie, fachliche Hilfe (Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut) aufzusuchen, ermitteln Sie mit ihr gemeinsam Adressen über Telefonbuch oder Internet, und unterstützen Sie den Vorstellungstermin. Dann kann der Therapeut alles Weitere sachkundig angehen. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von BETTIMINA:
Was kann ich zur Selbsthilfe tun, wenn mein Kind kifft? Ich kann es ja nicht tagelang rund um die Uhr kontrollieren.

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Es kommt sehr auf das Alter Ihres Kindes an, aber Sie haben Recht: Ab einem gewissen Alter können Sie Ihr Kind nicht mehr permanent im Blick ... [mehr]Es kommt sehr auf das Alter Ihres Kindes an, aber Sie haben Recht: Ab einem gewissen Alter können Sie Ihr Kind nicht mehr permanent im Blick haben. Dennoch macht es Sinn, mit dem Kind über die Situation zu sprechen und es dazu zu motivieren, gemeinsam eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Sollte Ihr Kind dazu nicht bereit sein, können Sie eine solche Beratung selbstverständlich auch allein in Anspruch nehmen und sich Rat suchen, wie Sie mit der konkreten Situation umgehen sollen. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von GUMMIBäRCHEN:
Wir können mit unserer Tochter einfach nicht mehr vernünftig reden. Sobald wir etwas zu ihr sagen, geht sie an die Decke und gibt uns patzige Antworten. Vor allem mein Mann schraubt sich dann auch immer hoch, da ihn die Zickereien ärgern, so dass es meistens in Geschrei, Tränen oder Türenknallen endet. Auf meine Hinweise, sich nicht provozieren zu lassen und ihrem Vater gegenüber ruhig zu bleiben, reagiert sie nicht. Was können wir tun, um solche Eskalationen zu verhindern?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Wahrscheinlich ist es für Sie alle wesentlich einfacher, mit professioneller Gesprächsmoderation konstruktiv und wertschätzend miteinander umzugehen. Ich empfehle einen Termin in einer Familienberatungsstelle zur Einschätzung des Bedarfs. ... [mehr]Wahrscheinlich ist es für Sie alle wesentlich einfacher, mit professioneller Gesprächsmoderation konstruktiv und wertschätzend miteinander umzugehen. Ich empfehle einen Termin in einer Familienberatungsstelle zur Einschätzung des Bedarfs. Ansonsten: was gibt es Positives in Ihrer Familie? Schreiben Sie jeder mal fünf Eigenschaften auf, die Sie an den anderen lieben oder worauf sie stolz sind. Probleme und Streit fressen die gemeinsame Zeit auf und das Positive, was es immer auch gibt, gerät aus dem Blick. Verbringen Sie einmal Zeit miteinander, z.B. eine Stunde, in der nur positive Interaktionen stattfinden und jeder Streit verboten ist. Machen Sie gemeinsam positive Dinge, z.B. Eis essen gehen. Sie haben doch nicht immer schon gestritten, da gab es doch auch bessere Zeiten; knüpfen Sie daran an. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von NINCHEN:
Gibt es große Unterschiede zwischen privaten und öffentlichen Kliniken? Kann ich mir auch den Aufenthalt in einer privaten Klinik von der Krankenkasse mit- bzw. teilfinanzieren lassen?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Alle Kliniken sollten auf Grundlage der gültigen Behandlungsleitlinien und gemäß wissenschaftlichem Stand behandeln, so dass die zielgerichtete Therapie einer Erkrankung überall gewährleistet sein sollte. Zum Teil ... [mehr]Alle Kliniken sollten auf Grundlage der gültigen Behandlungsleitlinien und gemäß wissenschaftlichem Stand behandeln, so dass die zielgerichtete Therapie einer Erkrankung überall gewährleistet sein sollte. Zum Teil können Privatkliniken durch einen höheren Personalschlüssel oder ein breiteres Behandlungsspektrum noch mehr zusätzliche Therapie-Angebote aufweisen. Der Schluss, dass öffentliche Kliniken schlechter seien als private, ist nicht zutreffend. Entscheidend sollte der persönliche Eindruck von einer Klinik sein, denn Vertrauen ist die wichtigste Voraussetzung. Insofern sind Telefonate mit der Klinik oder ein unverbindlicher Vorstellungstermin sowie ggf. der Internetauftritt wesentliche Faktoren. Bei der gesetzlichen Versicherung kann ein Antrag auf Kostenübernahme für die Behandlung in einer bestimmten Klinik gestellt werden, die Versicherung entscheidet dann individuell. In der Hemera Privatklinik z.B. behandeln wir so auch gesetzlich Versicherte. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von ROSI:
Meine 15jährige Tochter hat durch eine Krebserkrankung (sitzt im Rollstuhl) starke Depressionen. Sie geht alle vier Wochen zum Psychologen, aber das hilft nicht. Durch ihre Krankheit hat sie keine Freunde, sitzt den ganzen Tag am Laptop und liest Internetseiten, die sie runterziehen. Sie hat sich geritzt und gehungert, aber in eine Tagesklinik oder ambulante Behandlung will sie nicht. Sie braucht soziale Kontakte. Wo bekomme ich Hilfe? Ich möchte, dass es meiner Tochter gut geht. Sie braucht Perspektiven und neues Lebensglück unter Jugendlichen.

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Das Problem Ihrer Tochter hört sich so komplex an, dass es möglicherweise notwendig sein wird, sie durch verschiedene Methoden zu unterstützen ("multimodale Therapie"). Vermutlich sind Gespräche ... [mehr]Das Problem Ihrer Tochter hört sich so komplex an, dass es möglicherweise notwendig sein wird, sie durch verschiedene Methoden zu unterstützen ("multimodale Therapie"). Vermutlich sind Gespräche im vierwöchigen Abstand zu wenig. Denkbare Schritte sind Gespräche in höherer Frequenz, eine medikamentöse Therapie, die diese Gespräche flankiert, ambulante Jugendhilfemaßnahmen, aber auch eine (teil-)stationäre Behandlung. Sie sollten mit Ihrer Tochter einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen, der die individuelle Situation einschätzt und Sie dann entsprechend beraten kann. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von NEUTRON:
Meine Tochter, 13, ist regelmäßig Opfer der Gemeinheiten ihrer "Freundinnen". Durch Zufall habe ich davon erfahren. Ein Gespräch mit dem Rektor ihrer Schule hat nicht gefruchtet und die Eltern der Freundinnen blocken ab. Da sie die letzte Zeit ziemlich an Gewicht zugelegt hat habe ich den Verdacht, dass sie den Frust und Kummer in sich reinfrisst. Reden will sie nicht darüber. Wie kann ich meinem Kind helfen und ihr klarmachen, dass ich sie unterstütze und sie mit allem zu mir kommen kann?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Die persönlich Unterstützung durch Sie ist sehr wichtig, aber hier gibt es vermutlich weiteren Bedarf. Die Schulpsychologen sind mittlerweile für das Thema Mobbing gut gerüstet und ... [mehr]Die persönlich Unterstützung durch Sie ist sehr wichtig, aber hier gibt es vermutlich weiteren Bedarf. Die Schulpsychologen sind mittlerweile für das Thema Mobbing gut gerüstet und es gibt Präventionsprogramme, die bei Bedarf in den betroffenen Klassen durchgeführt werden können. Die schulpsychologische Beratung ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich organisiert. Wie Sie in Kontakt mit den für Sie zuständigen Schulpsychologen kommen, kann Ihnen natürlich die Schule sagen. Darüber hinaus kann man vermuten, dass Ihre Tochter stark belastet ist und möglicherweise ist die Gewichtszunahme nur 'eine' Reaktion, die man von außen eindeutig sehen kann. Neben der emotionalen Unterstützung, die Sie ja schon geben, könnte hier auch professionelle Hilfe in Form von Beratung oder Psychotherapie angezeigt sein. Bitte haben Sie nicht den Anspruch, alles selbst lösen zu können. Dafür gibt es Profis. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von IFFY:
Kann ich von der Krankenkasse Geld erwarten, um mein Kind in einer Klinik behandeln zu lassen oder muss das komplett privat finanziert werden?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
In der Regel wird eine Krankenhausbehandlung bei gesetzlich Versicherten von der Krankenkasse übernommen. Bei privat Versicherten ist oft eine Genehmigung durch die Kasse vorab nötig. Dies ... [mehr]In der Regel wird eine Krankenhausbehandlung bei gesetzlich Versicherten von der Krankenkasse übernommen. Bei privat Versicherten ist oft eine Genehmigung durch die Kasse vorab nötig. Dies trifft auch bei seelischen Erkrankungen zu. Die Entscheidung, ob eine stationäre Behandlung sinnvoll oder notwendig ist, sollte mit dem Kinderarzt oder niedergelassenen Therapeuten besprochen werden. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von JOYCE2_2:
Wie kann ich mein Kind schon jetzt davor schützen jemals in einer solchen "Reifungskrise" zu landen? Momentan ist sie zehn Jahre alt und weist aktuell noch keine Probleme auf. Bei Kindern aus befreundeten Familien hat sich dies allerdings später schon einmal geändert.

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Interessieren Sie sich für Ihr Kind, zeigen Sie ihm, dass Sie für es da sind. Besprechen Sie Fehlverhalten, erklären Sie Ihre erzieherischen Reaktionen, damit Ihr Verhalten ... [mehr]Interessieren Sie sich für Ihr Kind, zeigen Sie ihm, dass Sie für es da sind. Besprechen Sie Fehlverhalten, erklären Sie Ihre erzieherischen Reaktionen, damit Ihr Verhalten für das Kind logisch und transparent ist und das Vertrauen nicht gestört wird. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auch auf Stärken und positive Eigenschaften, fördern Sie diese, achten Sie, dass auch, wenn pubertär schwierigere Verhaltensweisen eines Tages eintreten, darauf, nicht nur Negatives im Austausch mit Ihrem Kind zu thematisieren, sondern drücken Sie Ihre Wertschätzung und Akzeptanz immer wieder aus. Hören Sie gut zu, seien Sie aufgeschlossen für die Themen Ihres Kindes und haben Sie Kontakt zu seinen Freunden. Nehmen Sie sich aber auch zurück, trauen Sie Ihrem Kind etwas zu, Überbehütung löst Unsicherheit aus. Respektieren Sie Schritte der Verselbständigung. Achten Sie darauf, nicht zu leistungsorientiert zu urteilen, sondern würdigen Sie das gesamte Wesen und die Entwicklung Ihres Kindes. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von EADBEAD:
Welche Kliniken können sie mir in der Region Norddeutschland empfehlen, wenn man sich selbst verletzt? Sollte ich mich damit an meine Eltern wenden?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Es ist eine sehr gute Idee, sich mit diesem Problem an Ihre Eltern zu wenden. Diese können Sie bei allen weiteren Schritten unterstützen. Ich würde zunächst ... [mehr]Es ist eine sehr gute Idee, sich mit diesem Problem an Ihre Eltern zu wenden. Diese können Sie bei allen weiteren Schritten unterstützen. Ich würde zunächst einen ambulanten Termin bei einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie vereinbaren. Gemeinsam mit ihm können Sie dann überlegen, was die individuell richtigen Schritte sind, und ob eine stationäre Behandlung Sinn macht. Er kann Ihnen auch konkrete Kliniken in der Umgebung empfehlen. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von C.ADLER:
Mein Sohn, 15, steckt gerade mitten in der Null-Bock-Phase. In der Schule lässt er gerade ziemlich nach. Er hat keine Lust zum Lernen, Hausaufgaben macht er schon gleich dreimal nicht. Das einzig Wichtige sind Playstation, PC und seine Kumpels. Auf diverse Verbote kam der Satz "Warum soll ich was machen, du hast mir doch eh schon alles verboten"... Wie kann ich ihm begreiflich machen, dass er Schule und Hausis, für sich macht und nicht für mich? Gespräche in die Richtung blockt er gleich ab...

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Kinder haben Rechte, aber Sie haben auch Pflichten. Es gibt kein Grundrecht auf Playstation. Gleichzeitig kann man nicht alles nur mit Druck umsetzen. Holen Sie sich ... [mehr]Kinder haben Rechte, aber Sie haben auch Pflichten. Es gibt kein Grundrecht auf Playstation. Gleichzeitig kann man nicht alles nur mit Druck umsetzen. Holen Sie sich Hilfe in einer Erziehungsberatungsstelle. Wenn das nicht reicht, kann eine Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater der richtige Weg sein. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von 34BREEZE:
Wir sind eine normale Familie. Mein Mann und ich haben alles für unsere Kinder gemacht. Doch unser Sohn blockt oft tagelang ab und redet nur mit seinen Freunden. Ich habe den Verdacht, dass da auch Drogen im Spiel sind. Kann ich ihm irgendwie helfen?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Signalisieren Sie Ihrem Sohn, dass Sie für ihn da sind und vermeiden Sie Vorwürfe und Bedrängen. Sofern der Schulalltag funktioniert, sind größere Sorgen vermutlich unbegründet. Diese ... [mehr]Signalisieren Sie Ihrem Sohn, dass Sie für ihn da sind und vermeiden Sie Vorwürfe und Bedrängen. Sofern der Schulalltag funktioniert, sind größere Sorgen vermutlich unbegründet. Diese Informationen können Sie beim Klassenlehrer einholen, ansonsten könnte man den Schulpsychologen einschalten. Ein Sich-Ausprobieren und Abgrenzen ist, auch wenn es schmerzhaft ist, in diesem Alter wichtig für die weitere Entwicklung, zum Selbständigwerden. Einengung oder Überwachung könnte die Situation verschärfen. Sollte sein Verhalten unorganisierter werden, depressive oder apathische Züge auftreten, Nervosität, Schwitzen, Zittern, beziehen Sie den Hausarzt mit ein. Er kann sachlich prüfen, ob Drogen im Spiel sind. Regional gibt es Drogenberatungsstellen, hier könnten Sie sich, unabhängig von Ihrem Sohn, über konkrete Hilfen vor Ort beraten lassen. Vielleicht gibt es auch einen Verwandten seines Vertrauens, der an Ihrer Stelle zu ihm einen Zugang finden und positiv Einfluss auf ihn nehmen kann. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von TISEMIYA:
Meine ältestes Tochter ist 16. Sie war noch nie eine große Esserin und i(s)st sehr wählerisch. Da sie zudem noch sehr schlank ist, wirft mein Mann ihr regelmäßig Magersucht vor, meistens beim Essen, wenn sie mal wieder nicht sonderlich großen Appetit hat. Das endet regelmäßig im Krach, da sie dann abblockt und mit Zicken anfängt und er erst recht sauer wird. Woran erkenne ich, ob sie wirklich Essstörungen hat und was kann ich tun, damit die Situation nicht immer so hochkocht? Mich belastet das sehr!

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Die Diagnose muss durch einen Arzt gestellt werden. Wenn ihre Tochter an Gewicht verloren hat oder nicht in der Entwicklung zugenommen hat, weil sie nicht ausreichend ... [mehr]Die Diagnose muss durch einen Arzt gestellt werden. Wenn ihre Tochter an Gewicht verloren hat oder nicht in der Entwicklung zugenommen hat, weil sie nicht ausreichend isst, so kann das ein Hinweis auf eine Essstörung sein. Gehen Sie mit ihr zum Kinderarzt und klären mit ihm, ob eine Vorstellung beim Kinder. und Jugendpsychiater notwendig ist. [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von READREAL:
Wie kann ich meinem Sohn schonend beibringen, dass er eine psychologische Behandlung benötigt? Ich weiß nicht, wie ich dieses Thema ansprechen soll, da er sowieso kaum jemanden (außer seinen Freunden) an sich ran lässt..

Antwort von Wolfgang Deimel:
Sie können Ihm ehrlich sagen, dass Sie sich Sorgen machen und ihn vielleicht davon überzeugen, sich eine fachliche Einschätzung geben zu lassen, z.B. durch eine Beratungsstelle. ... [mehr]Sie können Ihm ehrlich sagen, dass Sie sich Sorgen machen und ihn vielleicht davon überzeugen, sich eine fachliche Einschätzung geben zu lassen, z.B. durch eine Beratungsstelle. Wahrscheinlich wäre es aber wirksamer, wenn jemand aus dem Freundeskreis so eine Anregung gibt. In jedem Fall ist das eine sehr schwierige Situation und Ihre Bemühungen werden leicht als übergriffig oder vorwurfsvoll interpretiert werden, daher sollten Sie immer in den Vordergrund stellen, dass Sie ihn lieben und sich sorgen. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von MAMALU:
Kann man mögliche Verhaltenstherapien auch außerhalb einer Klinik in Anspruch nehmen? Meine Tochter ist noch zu jung, ich möchte sie nicht über längere Zeit in eine Klinik geben.

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Informieren Sie sich über das Internet oder die Gelben Seiten über Psychologen, Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychiater Ihrer Region. Auf den Homepages oder telefonisch können Sie ... [mehr]Informieren Sie sich über das Internet oder die Gelben Seiten über Psychologen, Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychiater Ihrer Region. Auf den Homepages oder telefonisch können Sie sich informieren, ob sie verhaltenstherapeutisch ausgerichtet sind. Abhängig von Schweregrad und Symptomen können mit ambulanter Verhaltenstherapie sehr gute Erfolge erzielt werden. Der Therapeut wird Sie auch beraten, sollte er an seine Grenzen kommen. Dann kann eine stationäre Therapie aufgrund der Vielschichtigkeit der Maßnahmen und Intensität oft schneller zum Ziel führen, als weitere ambulante Behandlungsversuche, die ggf. erneut scheitern und die Beschwerden verstärken. Ein Kompromiss kann auch eine tagesklinische Behandlung sein, die Schule umfasst und nachmittags Therapien beinhaltet. Abends und zum Schlafen ist man dann zu Hause und kann somit auch im Alltag das in der Therapie Erlernte üben. Auch die Eltern sind dann sehr intensiv eingebunden. [weniger]

PD Dr. Phil. Christina Schwenck
PD Dr. Phil. Christina Schwenck,
Psychologische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, Leitende Forschungspsychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und -therapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Frankfurt a. M.

Frage von HERBERT-PETER:
Ich habe den Verdacht, dass mein jüngster Sohn heimlich Drogen nimmt. Sein Verhalten ist seit einiger Zeit sehr komisch. Was sind bekannte Anzeichen, an denen man das erkennen kann?

Antwort von PD Dr. Phil. Christina Schwenck:
Es gibt zwar einzelne Hinweise auf Drogenkonsum wie zum Beispiel, dass das Kind größere Geldbeträge entwendet, um die Drogen zu finanzieren, oder Utensilien, die auf Drogenkonsum ... [mehr]Es gibt zwar einzelne Hinweise auf Drogenkonsum wie zum Beispiel, dass das Kind größere Geldbeträge entwendet, um die Drogen zu finanzieren, oder Utensilien, die auf Drogenkonsum hindeuten. Aber kein Hinweis wird Ihnen volle Gewissheit geben können. Deshalb würde ich Ihre Sorge offen mit Ihrem Sohn ansprechen. Warten Sie auf eine ruhige Minute und formulieren Sie Ihren Verdacht nicht als Vorwurf, damit er nicht "zu macht". [weniger]

Wolfgang Deimel
Wolfgang Deimel,
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut. Leitender Psychologe in der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von HANNI:
Meine Tochter Thea möchte nicht zu einer Therapie gehen. Obwohl sie mit unserem Enkelsohn maßlos überfordert ist. Kann auch ich Hilfe für die Familie einfordern?

Antwort von Wolfgang Deimel:
Das ist extrem heikel, da Ihre Tochter ja nicht will und sich daher bevormundet und übergangen fühlen wird, egal was Sie machen. Wenn es sich hauptsächlich ... [mehr]Das ist extrem heikel, da Ihre Tochter ja nicht will und sich daher bevormundet und übergangen fühlen wird, egal was Sie machen. Wenn es sich hauptsächlich um ein Erziehungsthema handelt, bieten Erziehungsberatungsstellen einen niedrigschwelligen Kontakt an. Wenn es Ihrem Enkel zweifelsfrei sehr schlecht geht, müsste das eigentlich auch im Kindergarten oder in der Schule auffallen und es müsste Empfehlungen von dieser Seite geben, professionelle Hilfe zu suchen. Das ist wahrscheinlich eindrucksvoller als Ihre Bemühungen. Wenn ernsthafte Gefahr droht (Vernachlässigung, Misshandlung) kann jeder Mensch eine Meldung beim zuständigen Jugendamt machen (schriftlich!) und die müssen dem dann nachgehen. Aber dann haben Sie natürlich einen massiven Konflikt in der Familie. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von CLAUS_ICH:
Gibt es speziell Kliniken, die nur mit kreativen Elementen arbeiten? Also z.B. Musik- und/oder Reittherapie? Eine medikamentöse Behandlung kommt für uns nicht in Frage.

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Die Frage kann leider nicht pauschal mit ja oder nein beantwortet werden. Ob Medikamente sinnvoll oder sogar zwingend notwendig sind, kommt sehr auf die Erkrankung und ... [mehr]Die Frage kann leider nicht pauschal mit ja oder nein beantwortet werden. Ob Medikamente sinnvoll oder sogar zwingend notwendig sind, kommt sehr auf die Erkrankung und die Problematik an. Bei bestimmten Erkrankungen ist es sogar ein Kunstfehler, nicht mit Medikamenten zu behandeln (z.B. Schizophrenie), bei anderen machen Medikamente oft keinen Sinn (z.B. bei bestimmten Angsterkrankungen). Hier sollte man auf die Fachärzte vertrauen, die damit viel Erfahrung haben und sie beraten werden. [weniger]

Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos
Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos,
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Würzburg.

Frage von SWIMANET:
Mein Sohn (16) kommt oft tagelang nicht nach Hause. Auf Anrufe reagiert er nicht und mit etlichen Verboten lässt er sich auch nicht bändigen. Wie soll ich mit dieser Situation umgehen?

Antwort von Prof. Dr. med. Marcel Leon Romanos:
Nehmen Sie am besten Kontakt zu einer Erziehungsberatungsstelle auf und besprechen Sie Ihre Möglichkeiten. Manchmal muss man als Eltern das Jugendamt kontaktieren und um Hilfe bitten, ... [mehr]Nehmen Sie am besten Kontakt zu einer Erziehungsberatungsstelle auf und besprechen Sie Ihre Möglichkeiten. Manchmal muss man als Eltern das Jugendamt kontaktieren und um Hilfe bitten, um eine schwierige Entwicklung des Kindes aufzuhalten. [weniger]

Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex
Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex,
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Chefärztin der Hemera-Klinik, Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen.

Frage von JENNA:
Meine Tochter hat ständig Panikattacken und hyperventilliert. Kein Arzt konnte mir bisher helfen und an eine Klinik wollte mich niemand verweisen. Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Antwort von Prof. Dr. med. Claudia Mehler-Wex:
Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten sind hierfür die richtige Adresse. Panikstörungen können verhaltenstherapeutisch gut behandelt werden. Indem man zunächst gut über die Funktion und die ... [mehr]Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten sind hierfür die richtige Adresse. Panikstörungen können verhaltenstherapeutisch gut behandelt werden. Indem man zunächst gut über die Funktion und die körperlichen Phänomene von Ängsten aufklärt und auch darstellt, dass Angst eine wichtige Aktivierung bedeutet und man an ihr nicht versterben kann, verliert der Betroffene das Gefühl, der Angst hilflos ausgesetzt zu sein. Durch Sport können ähnliche körperliche Zeichen wie bei Angst provoziert werden (Schwitzen, Herzrasen). Dies übt man bewusst in Anwesenheit des Therapeuten, um eine zunehmend bessere Kontrolle über das Angstgefühl zu erwerben. Parallel sind ggf. weitere für die Angstentwicklung wichtige Faktoren psychotherapeutisch zu behandeln, z.B. soziale Unsicherheit, mangelnder Selbstwert usw.. Sollte die Alltagsbewältigung wegen der Ängste nicht mehr funktionieren, ist eine stationäre Behandlung in einer (Jugend)Psychiatrie (z.B. Hemera-Klinik) zu empfehlen. [weniger]

Moderator:
Liebe Leser, herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserem Chat. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir in der kurzen Zeit nicht alle Fragen beantworten konnten. Sollte Ihre Antwort heute nicht dabei sein, finden Sie möglicherweise in den übrigen Statements einige wesentliche Aspekte, die Ihnen weiterhelfen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Abend und freuen uns auf das nächste Mal!